ArchiTV - TV-Programm Juli 2004
Hier finden Sie interessante Fernsehsendungen rund um das Thema Architektur und Bauen im Monat Juli 2004.
Samstag, 3. Juli 2004, 11:00 - 11:45 Uhr (SF1)
ArchitecTour de Suisse: Jürg Conzett
Die Kunst der Begründung
Wiederholung am Montag, 5. Juli 2004, 11:55 - 12:10 Uhr
Wiederholung am Freitag, 9. Juli 2004 14:55 - 15:15 Uhr
Sonntag, 4. Juli 2004, 11:00 - 11:45 Uhr (BR)
Kulturgespräch
Traumhäuser für alle! Gute Architektur ist machbar
In wenigen Tagen beginnt die 'A2', die zweite Architekturwoche in Bayern. Auf zahlreichen Veranstaltungen geht es um die Themen Planen, Bauen, Wohnen. Wie wir wohnen prägt ganz wesentlich unseren Alltag. Doch nur die wenigsten Menschen haben die Möglichkeit, ihre gebaute Umwelt ganz nach den eigenen Wünschen und Vorstellungen zu gestalten. Den Weg zum Traumhaus zeigt das Kulturgespräch mit vier interessanten Beispielen. Ein Plastikhaus und ein Haus, dessen Charakter von einer Hecke geprägt ist, ein monolithischer Steinbrocken in karger Landschaft und ein verschachtelter Holzkubus am Seehang - vier völlig unterschiedliche Einfamilienhäuser aus Bayern, die vor allem eins verbindet: Sie sind erschwinglich. Und sie stehen für eine neue Baukultur: Originell und innovativ und trotzdem unprätentiös und praktisch. Diese vier Traumhäuser werden im Kulturgespräch zusammen mit ihren Architekten und Bauherren vorgestellt. 95 % der Einfamilienhäuser in Deutschland werden ohne Architekt gebaut. Und so sehen sie dann auch oft aus: gleichförmig, langweilig, uninspiriert. Peter Lang und Gabi Lang-Kröll aus Gleißenberg wollten so nicht wohnen. Vor allem Peter Lang hat als Künstler besondere Ansprüche: Er braucht viel Platz und viel Licht. Der Münchner Architekt Florian Nagler entwarf für ihn ein Haus aus Plastik: große Polycarbonat-Flächen - weitaus kostengünstiger als Glas - ermöglichen helle, lichtdurchflutete Wohn- und Arbeitsräume. Im Kulturgespräch stellt Florian Nagler das Haus vor, das sich trotz aller Extravaganzen harmonisch in die Umgebung einpasst. Auch die Shooting-Stars der jungen bayerischen Architektenszene, Christian und Peter Brückner aus Tirschenreuth, haben ein Einfamilienhaus gebaut, das sich perfekt in die karge Landschaft der nördlichen Oberpfalz einfügt. Der Klotz aus Holz und Granit stieß zunächst bei den Nachbarn auf Ablehnung. Doch mittlerweile hat man sich an die spröde Eleganz des Gebäudes gewöhnt. Christian Brückner schildert im Kulturgespräch, wie er gemeinsam mit seinem Bruder Peter den Baustil der Oberpfalz neu geprägt hat. Am vergangenen Wochenende öffneten zahlreiche neue interessante Gebäude in ganz Bayern ihre Pforten für die 'Architektouren' der Bayerischen Architektenkammer. Auch Claudia Meyer-Brühl aus Weßling führte Scharen von Besuchern durch ihr Haus. Auf einem relativ kleinen Grundstück in Seenähe ist es den Architekten Goetz und Hootz gelungen, einen verschachtelten und dennoch großzügigen Grundriss auf versetzten Ebenen zu gestalten. Die Bauherrin erzählt im Kulturgespräch, wie sie zu ihrem Traumhaus kam, in dem sie heute mit Mann und Kindern lebt. Wie könnte es aussehen, das perfekte Einfamilienhaus? Diese Frage stellte das SZ-Magazin vor zwei Jahren und lobte einen Wettbewerb aus. Originell sollte es sein und erschwinglich. Der Entwurf des Münchner Architektenbüros Allmann, Sattler, Wappner wird nun im Rahmen der Bundesgartenschau 2005 realisiert. Markus Allmann erläutert im Kulturgespräch seine Idee für ein 'Haus mit Hecke'.
Sonntag, 4. Juli 2004, 13:15 - 14:00 Uhr (BR)
Faszination Kunst: Münchens große Architekten
Gabriel von Seidl - Ein Architekt prägt München
Wie kein anderer Architekt hat Gabriel von Seidl (1848 - 1913) das Stadtbild Münchens zur Prinzregentenzeit verändert. Seine Monumentalbauten sprechen für sich: das Deutsche Haus und der Arzberger Keller als Inbegriffe von Gemütlichkeit und gesteigerter Lebensfreude; die Kaulbach- und Lenbachvilla als Importe der italienischen Renaissance und des mediterranen Lebensgefühls; die Stadtpfarrkirche St. Anna mit ihrer neoromanischen Baukunst als Zitat einer langen und ehrwürdigen Bautradition; das Künstlerhaus als Heimat von Geselligkeit und rauschenden Festen; das Bayerische Nationalmuseum als Kulminationspunkt des Stilpluralismus und schließlich das Deutsche Museum als Wegweiser in die Moderne.
Seidls ungeheuere Bedeutung zeigt sich im Filmbeitrag von Bernhard Graf. In das damalige Alltagsleben integriert, präsentiert er die berühmten Gebäude in ungewöhnlichen Ansichten, lässt die Zuschauer teilhaben am Entstehungsprozess von Seidls Außen- und Innenarchitektur, nimmt sie mit in Räumlichkeiten, die der Öffentlichkeit verschlossen sind. So wird deutlich, dass Seidl sich um eine immense Spannbreite an Bauaufgaben bemühte. Er gilt als Hauptvertreter eines gesteigerten Historismus, als Bewahrer von Tradition und Heimatkunst. In kongenialer Weise wirkte er als Architekt, Zeichner und Innendekorateur.
Montag, 5. Juli 2004, 11:55 - 12:10 Uhr (SF1)
ArchitecTour de Suisse: Jürg Conzett
Die Kunst der Begründung
Wiederholung vom Samstag, 3. Juli 2004
Mittwoch, 7. Juli 2004, 23:15 - 00:00 Uhr (WDR)
Die wilden 70er Jahre - 1. Wohnräume und Wohnträume
Wohnen in den 70ern - das waren groß gemusterte Kacheln, Flokati und Fototapete. Der erste Teil der neuen Reihe erkundet die für diese Zeit typischen Wohnwelten anhand der Lebensgeschichten von Hausbesitzern und -besetzern, von "Trabantenstädtern" und einem Architekturvisionär. Das Thema Wohnen war in den Siebzigern allgegenwärtig. In den Medien meist als Negativschlagzeile, denn es herrschte noch große Wohnungsnot in Deutschland. Zwar füllten die utopischen Entwürfe der Architekten und Designer Zeitschriften und Magazine, der bundesdeutsche Wohnalltag dagegen sah anders aus. Das Bild bestimmten klobige Betonklötze. Auf freiem Feld wuchsen ganze Stadtteile, wie Mannheim-Vogelstang, 6000 Wohnungen für 200.000 Menschen - damals das größte Städtebauprojekt im Südwesten. Eine andere Möglichkeit des Wohnens und eine Alternative zum kleinbürgerlichen Leben waren die Wohngemeinschaften - ein Experimentierfeld für neue Formen des Zusammenlebens. Aus dem Schock der Ölkrise 1973 entwickelte Architekt und Designer Dieter Schempp seine Vision vom besseren Wohnen: Glashäuser als grüne Archen, die nicht nur beim Energiesparen helfen sollten, sondern vor allem eins waren: Gegenentwurf zur menschenfeindlichen Betonarchitektur der Vorstädte. Bevor sich Dieter Schempp mit Solararchitektur beschäftigte, hatte er schon als Möbeldesigner Aufsehen erregt. Er produzierte kostengünstig mit Schreinern und kleinen Betrieben Möbel, die mobil, modular und zerlegbar waren - Möbel, wie sie zwölf Jahre später im Programm von IKEA auftauchten. In den siebziger Jahren vollzog sich der Abschied von der gültigen Norm, wie man zu leben und wohnen hatte. Letztlich war gut, was gefiel.
Freitag, 9. Juli 2004 14:55 - 15:15 Uhr (SF1)
ArchitecTour de Suisse: Jürg Conzett
Die Kunst der Begründung
Wiederholung vom Samstag, 3. Juli 2004
Samstag, 10. Juli 2004, 17:50 - 18:15 Uhr (SF1)
ArchitecTour de Suisse: Gigon/Guyer
Seh-Räume. Blickfelder
Wiederholung am Montag, 12. Juli 2004, 11:55 - 12:10 Uhr
Wiederholung am Freitag, 16. Juli 2004, 14:55 - 15:15 Uhr
Samstag, 10. Juli 2004, 14:45 - 15:15 Uhr (WDR)
kreativ - künstler hautnah
Das Magazin hat europäischen Zuschnitt: Jede Ausgabe ist international und stellt drei Künstler vor. Heute: Edouard François (Architekt) - Oumou Sangaré (Sängerin) - Jürgen Schilling (Bildhauer). Edouard Francois: Jetzt ist es für Edouard Francois an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Der Architekt hat die Büroräume einer Werbeagentur mit einem einzigen Möbelstück ausgestattet: einem 140 qm großen Schreibtisch. Während der Installation musste er ständig gegen die Zweifel seines Auftraggebers ankämpfen. Heute wird er sich den Reaktionen der Agenturmitarbeiter stellen, die die Räumlichkeiten bezogen haben. Er ist guter Dinge, zumal er gerade erfahren hat, dass sich ein niederländischer Verleger für seinen Tisch interessiert. Es ist die dritte Begegnung.
Samstag, 10. Juli 2004, 23:15 - 00:38 Uhr (Phoenix)
Neubau: VW in Dresden
Gezeigt wird, wie in das vorhandene soziale und räumliche Geflecht der Anwohner die Gläserne Manufaktur als architektonisch und strategisch innovatives Projekt hineingesetzt wird: ein durchgestaltetes Konzept trifft auf eine gewachsene Struktur wie ein UFO auf einen Krautgarten. Dabei führen die Nachbarn in ihre unterschiedlichen Milieus, Lebensumstände und Denkweisen ein und kommentieren als vielstimmiger Chor das Projekt während seiner Entstehung. So ist der Film auch ein Beitrag über einen sozialen Raum und eine Beobachtung der markenstrategischen und kulturellen Visionen der Konzerne. Diese werden von den für das Projekt verantwortlichen VW-Managern vorgetragen. Protagonist ist der Münchner Architekt Gunter Henn, der schon Volkswagens Themenpark Autostadt in Wolfsburg als Idealstadt für 1,2 Millionen Besucher jährlich gebaut hat. Henn gilt inzwischen als Vorreiter einer Bewegung, die für die profane Autoproduktion 'sakrale' Räume konstruiert. Eine Marke tritt nicht mehr als Sponsor auf, um Inszenierungen und Kulturproduktion für sich zu nutzen, sondern sie inszeniert sich und ihr Produkt selbst als einen Teil der Hochkultur auf der offenen Bühne der Stadt. Die Fabrik und mit ihr die Marke kehrt als Sehenswürdigkeit vom Range einer barocken Residenz zurück in das alte Stadtzentrum.
Sonntag, 11. Juli 2004, 13:15 - 14:00 Uhr (BR)
Faszination Kunst: Münchens große Architekten
Friedrich von Thiersch - Ein Münchner Architekt des Historismus
Ist Friedrich von Thiersch (1852 - 1921) heute beinahe in Vergessenheit geraten, so galt er zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Inbegriff des erfolgreichen Unternehmers, als der bedeutendste Architekt im Deutschen Reich. Seine Bauwerke sprechen für sich: der Münchner Justizpalast, eine zukunftsweisende Glas-Eisen-Konstruktion im barocken Mantel; das Wiesbadener Kurhaus als prunkvolle Heimat der Musen oder die Frankfurter Ausstellungs- und Festhalle mit der größten frei gespannten Kuppel der damaligen Welt. Thierschs herausragende Bedeutung zeigt sich erstmals im Filmbeitrag von Bernhard Graf. Er lädt auf eine Entdeckungsreise ein, die selbst die Münchner Bürger zum Staunen veranlasst. Eingebettet in das damalige Alltagsleben präsentiert er bekannte Gebäude aus ungewöhnlichen Perspektiven, lässt die Zuschauer hinter die Kulissen schauen, zeigt zu Räumlichkeiten, die sonst der Öffentlichkeit versperrt sind. Dabei wird deutlich: Thiersch hat seinen ungeheueren Formenreichtum auf den Studienreisen nach Italien und Griechenland sowie im Orient kennen gelernt. Wie Michelangelo wirkte er in kongenialer Weise als Architekt, Bildhauer und Maler. Selbst beim Brückenbau übernahm er selbst die Lösung der statischen Probleme. Immer wieder belegen seine bestechenden Zeichnungen und Aquarelle, dass er sich um jedes Detail bemühte: um die Programme der Wandmalereien und Reliefs, die Ästhetik der Ornamente, die Gestaltung des Mobiliars - selbst um die Wirkkraft der Menschen vor und innerhalb seiner Architektur. Mit Recht gilt Professor Thiersch als herausragendstes Multitalent seiner Zeit.
Montag, 12. Juli 2004, 11:55 - 12:10 Uhr (SF1)
ArchitecTour de Suisse: Gigon/Guyer
Seh-Räume. Blickfelder
Wiederholung vom Samstag, 10. Juli 2004
Freitag, 16. Juli 2004, 14:55 - 15:15 Uhr (SF1)
ArchitecTour de Suisse: Gigon/Guyer
Seh-Räume. Blickfelder
Wiederholung vom Samstag, 10. Juli 2004
Sonntag, 18. Juli 2004, 13:05 - 13:50 Uhr (BR)
Faszination Kunst: Münchens große Architekten
Friedrich von Gärtner - Der Baumeister König Ludwig I. von Bayern
Es war einer der schäbigsten und tragischsten Rivalenkämpfe der Kunstgeschichte, aber nicht einmal die Nachwelt hat den Unterlegenen gerecht beurteilt. Noch heute steht der große Architekt Friedrich von Gärtner im Schatten seines Konkurrenten Leo von Klenze. Dabei ist einer ohne den anderen nicht denkbar. Erst beide zusammen haben die Vision König Ludwig I. erfüllt: aus München eine moderne Hauptstadt zu machen, die ihresgleichen in Deutschland suchte. Klenze hat die neue städtebauliche Achse der Ludwigstraße begonnen, aber erst die Bauten Gärtners haben sie zur monumentalsten Straße Europas gemacht. Was wäre diese 'Bayerische Staatsstraße' ohne Gärtners Siegestor und Feldherrenhalle, ohne seine Staatsbibliothek und seine Ludwigskirche, ohne sein Universitäts-Forum mit den beiden schönsten Brunnen Münchens, die der Stadt italienischen Charme und römische Würde gebracht haben. Dieter Wieland will mit seinem Film daran erinnern, dass Gärtner mit seinen 17 Münchner Monumentalbauten, mit dem Pompejanum in Schaffenburg, dem Schloss Ludwigshöhe in der Pfalz und dem Königsschloss in Athen zu den bedeutendsten Architekten des 19. Jahrhunderts gehört.
Sonntag, 25. Juli 2004, 13:30 - 14:15 Uhr (BR)
Faszination Kunst: Münchens große Architekten
Carl von Fischer - Der Architekt ohne Häuser
1782 in Mannheim geboren, ab 1808 Professor für Baukunst an der Akademie in München, begutachtet und leitet Carl von Fischer alle großen Bauten in den ersten Jahren des neuen Königreichs Bayern. Zusammen mit dem Landschaftsgärtner Ludwig von Sckell erarbeitet er 1812 mit dem Generalplan die große Stadterweiterung Münchens. Mit seinen Gartenvillen rund um den Karolinenplatz und mit dem Prinz-Carl-Palais am Englischen Garten baut er die schönsten Wohnbauten des neuen Münchens. 1809 gestaltet er die Fassade zum Allgemeinen Krankenhaus vor dem Sendlinger Tor und die großartige Alte Polizeidirektion an der Weinstraße. 1811 bis 1818 erbaut er das Nationaltheater, den ersten großen Staatsbau des Königreichs. Intrigen Klenzes verbittern den Rest seines Lebens. In wenig vornehmer Weise wird er von dem späteren König Ludwig I. brüskiert und zurückgesetzt. 1820 stirbt er in München, erst 38 Jahre alt. Durch die Bauten des Nationalsozialismus und die Bomben des Zweiten Weltkrieges sind alle seine Bauwerke verloren gegangen. Allein das Prinz-Carl-Palais blieb im Originalzustand erhalten, die Oper wurde nach seinen Plänen wieder aufgebaut. Trotz dieser Verluste gilt er als der bedeutendste süddeutsche Architekt in den ersten zwei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts.
